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Seine Zeit zu sterben

Die ›Streif‹ in Kitzbühel, das gefährlichsten Abfahrtsrennen der Welt, ein Höllenritt auf blankem Eis. Die Stadt im alljährlichen Ausnahmezustand: Alle Augen sind auf den Hahnenkamm, diese schneeglitzernde Welt und den Zielschuss gerichtet. Ein atemberaubender Tag, Wilderkaiserwetter, die Stimmung könnte nicht ausgelassener sein. Bis plötzlich ein Kind auf der Piste verschwindet, was nicht ins Bild passt und schon gar nicht in die Bilderbuchregie der Veranstalter, des Ortes und der Feiernden. Was ist passiert? Ein Unfall? Eine Entführung? Missbrauch? Ein Familiendrama? Ein böser Scherz? Die Suche beginnt. Doch ein verschwundener Junge stört nur die Party, die Politik, die Promis. Zu allem Unglück zieht auch noch aus heiterem Himmel ein Schneesturm auf, der alle Illusionen, alle Lügen wegfegt, den Schnee von gestern aufwirbelt und den Tod anweht.
Ex libris OE1/ORF, Julia Reuter, 12.01.2014
„(…) Sprachlich gibt der Autor ein schnelles Tempo vor, trotz der langen Sätze und vielen Beistriche. In Thomas Bernhardscher- Manier reden sich manche Charaktere bei ihren Monologen geradezu in einen Wahn hinein. Ruhe herrscht immer nur dann, wenn Albert Ostermaier sich mit der über alles erhabenen Natur des Wilden Kaisers beschäftigt. (…) . „Seine Zeit zu sterben“ ist bitterböse und definitiv kein Krimi der klassischen oder geradlinigen Art. Manchmal etwas zu dick aufgetragen, aber auf jeden Fall lesenswert. (…)”.
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau, 24.11.2013
„(…) Gefahr und Geglitzer finden sich in solchem Übermaß in Albert Ostermaier’s neuem Roman, dass “Seine Zeit zu sterben” auch eine Thrillerparodie sein könnte. Ist es aber nicht, eher wirkt es wie ein Experiment, wie weit man gehen kann mit den unheimlich vertrauten Elementen aus der Angstmach-, Glamour- und Sensationsbranche, ohne dass es lächerlich wird. Man kann, zeigt sich dabei, sehr weit gehen, wenn man die sprachlichen Möglichkeiten dazu hat. (…) Dieser gelungene Roman (…) hat, so irre das klingen mag, eine leichte, erfrischende Seite. (…)”
Hans Dieter Schütt, Neues Deutschland 08.10.2013
” Albert Ostermaiers Kitzbühel ist ein Kältepol der Seelen. Er ist der Expressionist der deutschen Literatur. Er jagt Sprengsätze unter die Temperaturfelder – das Heiße sprengt sich so hinüber ins Eisige, und das Kalte explodiert herüber ins Glühende. Der Thriller totentanzt sich mit der Poesie in höchsten Rausch – bis diese Poesie keine schönere Lust mehr kennt, als die Wirklichkeit an die Wahrheit zu verraten. (…) Ostermaier will keinen Fall lösen, er will auf Fallhöhen gleichsam snowboarden, er will frostschwüle Atmosphären aufwerfen wie Gebirgsketten; seine Sprache lässt einen Schneesturm aufkommen, der wie ein Orgasmus kommt; es lebt in diesem Ausdrucksvermögen eine radikale metaphorische Kraft, die aus Naturbeobachtungen Seelenporträts formt; es offenbart sich ein unheimlich starker Zauber des Bedrohlichen. (…)”
Carola Wiemers – dradio Kultur 04.10.2013
“(…) Aus der geballten Fliehkraft der Worte ergibt sich ein Erzähltempo, das zum schmerzhaften Lesekraftakt wird. Ostermaier schafft einen Horror-Raum, in dem die Schreie der Verletzten im Dröhnen der Pistenlautsprecher untergehen. Denn sie stören den perfekt inszenierten Ablauf. (…) Kalt und schmerzhaft geht es in Ostermaiers Texten schon lange zu. Die Kälte-Metapher ist zum Meridian geworden, auf dem seine Gedichte, Romane und Theaterstücke angesiedelt sind. Doch beim Lesen dieses Romans will Frösteln nicht mehr aufhören. (…)

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Suhrkamp Verlag
Erschienen: 10.11.2014

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