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Phädras Nacht

Project description

UA 07. Mai 2017 Residenztheater München

Der griechische Mythos um eine verschmähte Frau, die aus Rache dafür sorgt, dass ein Unschuldiger ermordet wird, hat Dramatiker von Euripides bis Sarah Kane zu Bearbeitungen inspiriert. Albert Ostermaier und Martin Kušej  erzählen in „Phädras Nacht“ von der Analogie zweier Gesellschaften: die eine von außen in den Krieg gestürzt, die andere von innen heraus im Kampf gegen alles Äußere.

Phädras Nacht
für Bibiana Beglau

wie schwül und wie schrecklich
diese nacht ist meine grösste
liebe ist sie nur sie erwidert
meine liebe liebt mich wie ich
sie liebe die nacht löscht alles
aus sie wird mich immer lieben
bis in den tod liebe ich sie nie
enttäuscht sie mich wie schön
sie ist der mond ist aufgegangen
mein herz geht über eis und bricht
das Benzin fliesst wie Wasser über
meine haut den rücken alle feuer
sind erloschen nur die Asche blieb
der wind der sie in seinen armen
wiegt das kind den Wald vor den
fenstern in der ferne er schweigt
verschweigt die stille so still ist
die stille in meinem kopf geworden
die stimme so stumm du darfst ihn
nicht lieben ich habe ihn geliebt
das feuer meiner liebe hat ihn
geliebt die nacht danach meine
nacht kalt ist der hauch ach

Neues Deutschland, Hans-Dieter Schütt, 26. Mai 2017
„(…)Das genau ist die Poesie Ostermaier. Dieser schäumende, ruchlos hochjagende Ausdruck. Passt gut zu Kusejs Regie. Theater, dieser kalte Whirlpool: Sprache wie ein scharfer Cocktail, in dem Eiswürfel klirren. Sauf oder spuck aus. (…) Ostermaier schwarzes Pathos trifft auf Kusejs schwarze Lakonik. Der schwungreich ausmalende geht dem schmuckfrei Kantigen zur Seite. Das gibt dem Abend eine Härte, die sich ausbreitet ohne zu fransen. (…)“

Neue Zürcher Zeitung, Bernd Noack, 13. Mai 2017

„(…)Albert Ostermaier hat den alten Phädra-Stoff in eine kraftvolle, gleissend schöne, antikisierende Sprache gegossen, mit ein bisschen Pathos und viel Raunen, gewürzt mit kalkuliert Anstössigem – und hat ihm, gedanklich kühn konstruiert, einen aktuellen Sinn untergeschoben. Theseus kämpft in Afghanistan gegen die Taliban, ist ganz nebenbei auch Drogenbeschaffer, und sein angenommener Sohn Hippolyt kommt als Flüchtling in ein Land, in dem der braune Mob regiert – ein wütender Neonazi-Chor mit Springerstiefeln und Fackeln, der die Szene in komischer Reih-und-Glied-Geschlossenheit durchmisst.. (…)“

Süddeutsche Zeitung, Egbert Tholl, 09. Mai 2017

„(…) Ein bemerkenswertes Ergebnis. Ostermaier ist ja durchaus ein Freund der Nacht, der oft auch in seinen Stücken in einer poetischen Verdichtung schreibt, die seine Texte zu einer Herausforderung für den Regisseur machen. (…) Dem gegenüber steht der Einfluss des Theaterpragmatikers Kusej, der sich in trockenen Dialogen bemerkbar mach, hart, schonungslos. (…) Ostermaier und Kusej erzählen da nicht nur von den Nachwirkungen des Krieges in Afghanistan, sie erzählen auch vom Krieg in der Heimat. Um Phädras Haus rast der Mob (…). Das hat etwas von einem postapokalyptischen Szenario, als explodiere ein Kern gesellschaftlicher Wahrheit. (…)“

Münchner Merkur, Alexander Altmann, 09. Mai 2017

„(…) Der Eindruck, dass auch dieses gesamte „Projekt“, das eigentlich ein waschechtes Theaterstück ist, waghalsig zündelt, will sich indes nicht ganz verflüchtigen. Sind die klangvoll hallenden Verse, die erschreckend faszinierenden Bilder, die von der Fremdenhatz erzählen, nicht eine Mythisierung, ja Ästhetisierung von Gewalt und Hass, auch wenn sie inhaltlich ganz deutlich Position beziehen gegen die im Text als „Mob“ auftretenden Rassisten, deren Hass den Flüchtlingen entgegenschlägt? Werden die aktuellen politischen Motive hier nicht nur als effektvolle Schauerkulisse und dramaturgischer Turbolader benutzt? Vielleicht. Aber gleichzeitig wirkt diese Räuberpistole um Intrigen, Mord und Eifersucht, die so unglaublich furios erzählt und gespielt ist, angenehm normalisierend. Dass die Aufreger vom Tage da plötzlich als „griechisch’ Trauerspiel“ daherkommen – dieser auftrumpfend archaisierende Gestus öffnet, gerade weil er letztlich „unpolitisch“ bleibt, überraschend neue Blickwinkel.“

(…)

Nächste Vorstellungen:
Oktober und November 2017

 

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